Bundestagswahl

Schulz bei Stimmabgabe zuversichtlich

Die Bundestagswahl hat begonnen, schon vormittags gaben die ersten Spitzenkandidaten der grossen Parteien ihre Stimmen ab. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz präsentierte sich trotz schlechter Umfragewerte zuversichtlich.

Martin Schulz und seine Frau Inge bei der Stimmabgabe: Die Chancen sind gering, dass der SPD-Spitzenkandidat der nächste Kanzler wird.

Wenige Stunden nach Beginn der Bundestagswahl gab Schulz am Sonntag seine Stimme ab. In seiner Heimatstadt Würselen (Nordrhein-Westfalen) betrat er gegen 10 Uhr zusammen mit seiner Ehefrau Inge das Wahllokal im Rathaus, füllte seinen Wahlzettel aus und warf ihn ein.

"Ich hoffe, dass heute möglichst viele Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und eine demokratische Zukunft der Bundesrepublik Deutschland bestärken, indem sie demokratischen Parteien ihre Stimme geben", sagte der 61-Jährige. Vor dem Wahllokal machte er das Victory-Zeichen.

Viele Wähler seien bis zuletzt unentschlossen, wen sie wählen sollen, sagte Schulz. "Ich glaube, auch heute am Wahltag gibt es nach wie vor Bürgerinnen und Bürger, die überlegen, was sie mit ihrer Stimme machen."

Er sei zuversichtlich, dass viele der Unentschlossene ihre Stimme seiner Partei geben. "Ich bin optimistisch, dass die SPD mit einem guten Resultat aus diesem Wahlkampf herauskommt."

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir grüsste bei seiner Stimmabgabe im Berliner Bezirk Kreuzberg vormittags gut gelaunt wartende Journalisten, Wahlhelfer und andere Wähler und verliess das Wahllokal danach kommentarlos. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte ihre Stimme am Nachmittag gegen 14.30 Uhr in Berlin-Mitte abgeben.

Wählen ist "vornehmste Bürgerpflicht"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Deutschen auf, sich in jedem Fall an der Abstimmung zu beteiligen. "Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht. Gehen Sie zur Wahl!", schrieb das Staatsoberhaupt in der "Bild am Sonntag".

"Wer nicht wählt, lässt nur andere über die Zukunft unseres Landes entscheiden", warnte Steinmeier. Es sei vielleicht noch nie so spürbar wie jetzt gewesen, dass es in Wahlen "auch um die Zukunft der Demokratie und die Zukunft Europas" gehe.

Wahlleiter Dieter Sarreither schloss sich dem Aufruf an. Mit ihrer Stimmabgabe könnten die Menschen "Einfluss auf künftige politische Entscheidungen in Deutschland nehmen".

Merkel vor vierter Amtszeit

Rund 61,5 Millionen Deutsche waren zur Wahl aufgerufen. Letzte Umfragen sahen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Die SPD stand bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD lag zwischen 11 bis 13 Prozent, die Linke kam auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 Prozent. Die Grünen standen demnach bei 7 bis 8 Prozent.

Damit könnte neben einer neuen grossen Koalition aus Union und SPD auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen möglich werden. In beiden Fällen wäre Merkel auch die nächste Bundeskanzlerin, sie würde damit bereits in ihre vierte Amtszeit gehen.

Mit besonderer Spannung wird das Abschneiden der AfD erwartet: Erstmals seit den 50er-Jahren könnte eine rechtsnationale Partei in den Bundestag einziehen - und das möglicherweise sogar als drittstärkste Kraft.

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten jeweils an der Fünf-Prozent-Hürde.

Prognosen ab 18 Uhr

Die Wahlbeteiligung war bei den vergangenen Bundestagswahlen deutlich gesunken. Vor vier Jahren lag sie bei 71,5 Prozent. Angesichts einer stärkeren Politisierung in diesem Jahr und der teils aufgeheizten Debatte um die AfD erwarten Demoskopen aber einen leichten Zuwachs.

Die Wahllokale schliessen um 18.00 Uhr, gleich darauf senden die grossen Fernsehsender die ersten Prognosen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird für die Nacht zum Montag erwartet.



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