UNO-Klimakonferenz

Klimakonferenz ging erst am Samstag zu Ende

Die UNO-Klimakonferenz in Bonn ist erst Samstag früh zu Ende gegangen und hinterlässt viel Arbeit bis zur nächsten Konferenz in Katowice. Trotz Aufbrechen alter Gräben, namentlich in Fragen der Klimafinanzierung, einigten sich die Delegationen schliesslich.

Fidschis Regierungschef Frank Bainimarama präsidierte die Klimakonferenz in Bonn (Archiv)

Fidschi-Regierungschef und Konferenz-Präsident Frank Bainimarama beendete die Konferenz am frühen Samstagmorgen kurz vor 7 Uhr, statt wie ursprünglich vorgesehen am Freitag um 18 Uhr. Die Verzögerung drehte sich um Fragen, die Schwellenländer wie China und Indien, aber auch Entwicklungsländer aufgeworfen hatten.

Sie wollten von den Industrieländern konkretere Zusagen bei der finanziellen Hilfe im Kampf gegen Klimawandel erreichen. Schliesslich lenkten die wohlhabenden Staaten ein und ebneten so den Weg, dass der unter dem Kyoto-Protokoll eingerichtete Anpassungsfonds unter dem Pariser Klima-Abkommen fortbestehen wird. Der Fonds hilft armen Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels.

Doch keine "technische" Konferenz

Die Industrieländer erwarteten keine derart politische Diskussionen. Sie gingen davon aus, dass die 23. Klimakonferenz eine "technische" Konferenz werde, welche die Vorarbeiten für das sogenannte Regelbuch voranbringen sollte. Dieses Regelwerk soll in einem Jahr im polnischen Katowice verabschiedet werden.

Dabei geht es vor allem um gemeinsame Regeln, wie der klimaschädliche CO2-Ausstoss von den 197 Ländern künftig gemessen und angegeben werden soll. Die Gesamtwirkung der Klimaschutzbeiträge aller Länder im Rahmen des Pariser Abkommens soll in dem von Fidschi eingebrachten Talanoa-Dialog beurteilt werden. Ziel des Pariser Abkommens ist es, die Klimaerwärmung bis 2100 auf deutlich unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad einzudämmen.

"Minimalziel" erreicht

Aus Sicht der Schweizer Delegation konnte in Bonn das "Minimalziel" erreicht werden, wie Delegationschef Franz Perrez resümierte. Dieses umfasst mehrere hundert Seiten und liegt in Form von Textentwürfen vor, die alle Positionen der Verhandlungsdelegationen zur Umsetzung des Pariser Abkommens aufführen.

Diese "informellen Notizen" dienen im kommenden Mai wieder in Bonn als Basis für die Arbeit an einem Verhandlungstext für das Regelbuch. Und es brauche "ziemlich sicher" eine ausserordentliche zweite Verhandlungsrunde im Herbst, sagte Perrez nach Abschluss der Konferenz.

Er blicke mit "gemischten Gefühlen" zurück auf die Bonner Konferenz. Er sei enttäuscht, dass nicht noch tiefer über die Substanz verhandelt worden sei. Es sei eine "sehr schwierige" Konferenz gewesen, sagte Perrez. Und nächstes Jahr werde es noch einmal nicht einfach sein, bis gemeinsame Regeln erreicht werden.

Die Zeit vor 2020

Die Entwicklungsländer verbuchten einen Verhandlungserfolg: Bei den nächsten zwei Klimakonferenzen 2018 und 2019 kommen unter dem Stichwort "Pre 2020" die Klimaschutzanstrengungen der Industrieländer bis zum Jahr 2020 auf die Tagesordnung.

Dies ist wichtig, weil das Pariser Abkommen erst ab 2020 gültig ist. Die Entwicklungsländer fürchten, dass bis dahin wertvolle Zeit ungenutzt verloren geht.

Am Rande der Klimakonferenz wurde nochmals die wichtige Rolle der nicht-staatlichen Akteure sichtbar. Es gab Allianzen wie jene zum Ausstieg aus der Kohle bis 2030. Und US-Städte, -Bundesstaaten und -Grossunternehmen schlossen sich zusammen in "America's Pledge" (Amerikas Versprechen). Damit wollen sie die fehlende Führerschaft ihrer Regierung im Klimaschutz wettmachen.

"Verhalten positiv"

Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO) zogen eine durchzogene Bilanz. Greenpeace Schweiz sprach von "ernüchternden Resultaten". WWF Schweiz sieht immerhin eine "klare Perspektive" für das weitere Vorgehen und ist deshalb "verhalten positiv". Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft von Schweizer Hilfswerken zeigte sich enttäuscht, dass in Bonn das Themengebiet über Verluste und Schäden (loss and damage) nicht das nötige Gewicht erhalten habe.



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